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Platin

Platin ist benannt nach seiner Ähnlichkeit mit Silber (spanisch: plata = Silber). Die Bezeichnung platina bedeutet somit "kleines Silber", was auf die geringe Bedeutung hinweist, die im 16. Jahrhundert diesem Metall beigemessen wurde. Wilhelm Carl Heraeus gelang es erstmals 1856 in Deutschland Platin im industriellen Maßstab zu schmelzen.
Allgemein
Name
Platin
Symbol
Pt
Ordnungszahl
78
Serie
Übergangsmetalle
Gruppe
10, 6, d
Aussehen
grau-weiß metallisch
Dichte
21,45 g/cm3
Schmelzpunkt
2045 K (1769 °C)
Atomgewicht
195,084 u
Eigenschaften
Platin ist ein edles und derzeit nach Rhodium das zweitwertvollste Edelmetall. Platin weist die kubisch-flächenzentrierte Kristallstruktur auf. Bei Raumtemperatur ist Platin bereits weich (HV 55) und sehr duktil. Es kann durch Walzen und Ziehen über 90 % kalt verformt werden. Unverformtes Platin weist einen E-Modul von 165 GPa auf. Trotz des hohen Schmelzpunkts rekristallisiert Platin im Temperaturbereich von 500 - 550 °C. Die mechanische Festigkeit von Platin wird durch Zulegieren von zum Beispiel Rhenium oder Iridium erhöht. Auch durch Dispersionshärtung mit fein verteilten Oxidpartikeln wird die Festigkeit bei Temperaturen > 1.200 °C gesteigert. Platin ist beständig gegen Glasschmelzen und in Säuren unlöslich, nur in heißem Königswasser löst es sich zu Hexacloroplatin(IV)-säure auf. Von Alkali-, Cyanid- und vielen anderen Salzschmelzen wird Platin angegriffen. Oberhalb 1.200 °C ist Platin das oxidationsbeständigste Metall, oxidiert jedoch langsam an Luft zu den flüchtigen Oxiden PtO und PtO2. In Verbindungen liegt Platin in den Wertigkeiten +2, +4 und gelegentlich 0 vor.
Gewinnung / Produktion
Mit der Erschließung des Bushveld Complexes nahe Johannesburg/ Pretoria wurde Südafrika im 20. Jahrhundert zum bedeutendsten Platinproduzenten. Dort findet es sich vergesellschaftet mit den anderen Edelmetallen in silikathaltigen, sulfidischen Eisen/Nickel Kupfer/Chromerzen (ca. 75 % der Weltförderung). Weitere Produzenten sind Russland, Kanada und USA. Die im Erz als Chalkogenide oder in Legierung vorliegenden Edelmetalle werden in einem aufwändigen Prozess aus Schweretrennung, Flotation, Verschlackung im Schmelzofen (Smelter) und anschließend durch Verblasen im Konverter in der Matte angereichert. Nach schwefelsaurem laugen der Matte erhält man ein Edelmetallkonzentrat. Vor Trennung der einzelnen Edelmetalle wird dieses Konzentrat oxidativ in Salzsäure gelöst, woraus Platin mit selektiven Prozessschritten wie zum Beispiel Umfällungen und Ionenaustausch gereinigt werden kann. Das reine Platin wird als Platinschwamm nasschemisch reduziert oder elektrolytisch abgeschieden. Besonders bedeutend für die Platingewinnung sind sekundäre Quellen wie das Recycling gebrauchter Katalysatoren aus der Petrochemie und Chemieindustrie und Legierungen zum Beispiel aus der Glasindustrie und Düngemittelherstellung.
Anwendung
Platin wird vor allem in diversen katalytischen Anwendungen eingesetzt. Heraeus liefert Trägerkatalysatoren für die Abgasreinigung, Platin-Rhodium-Netze für die Düngemittel- und Blausäureproduktion sowie für die homogene Katalyse zum Beispiel den Karstedt-Katalysator zur Hydrosilylierung in der Silicon-Herstellung. Heraeus stellt vielfältige Laborgeräte , wie Tiegel, Schalen und Spezialprodukte aus Platin und Platin-Legierungen her. Die Automobilindustrie setzt hochwertige Zündkerzenelektroden von Heraeus ein und verwendet unsere Pasten und Halbzeuge in vielen Sensoren. In Bereichen mit starker mechanischer und Temperaturbelastung werden bei Heraeus entwickelte dispersionsgehärtete Platin-Werkstoffe (DPH) eingesetzt. Feedersysteme, Großbauteile und Glasfaserdüsen für die Glasindustrie werden daraus hergestellt. Heraeus produziert platinhaltige Wirkstoffe, zum Beispiel Cisplatin oder Oxaliplatin, die als Anti-Tumor-Wirkstoffe in der Krebstherapie genutzt werden. Heraeus stellt Herzschrittmacherelektroden und viele andere Präzisionsteile aus Platinlegierungen für die Medizintechnik her. Weiterhin fertigt Heraeus aus Platin-Legierungen Vorprodukte für die Schmuckindustrie und Dentaltechnik.